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– Oktober 2010 –

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Freitag, 1. Oktober 2010

Wie in jedem Herbst öffneten sich Tore und Türen zur Nacht der Offenen Kirchen, und wir schritten hindurch. In St. Foillan erwartete uns eine Installation mit einer verkohlten und mit Blattgold bearbeiteten Pietà:

 

"Getragen im Leid" Nacht der Offenen Kirchen St. Foillan

 

 

Samstag, 2. Oktober 2010

Die ganze Innenstadt vom Elisenbrunnen bis zum Markt war übersät mit Zelten und Büdchen anlässlich der Leistungsschau der NRW-Polizei unter dem Motto »Ein Tag mit uns«. Schon frühmorgens landete ein Hubschrauber mitten im Elisengarten, um sich später geduldig von interessierten Bürgern betatschen zu lassen.

 

"Ein Tag mit uns" Leistungsschau der Polizei NRW - Hubschrauber

 

Wie einige tausend andere Besucher ließen wir uns ausgiebigst über die neuesten Trends in Sachen Spurensicherung, Knautschzonentektonik und Geschwindigkeitsmessanlagen informieren. (Sei es selektive Wahrnehmung oder einsetzender Alterschauvinismus: Polizistinnen sind, trotz unvorteilhafter Kleidung, in der Regel verdammt hübsch!)

 

An einem Stand durfte ich ausprobieren, wie man sich als Einbrecher fühlt, der nur mit einem Schraubendreher bewaffnet ein Fenster aufbricht. Kinderkram! Das ging so schnell und leicht, dass man eine Highspeedkamera zum Photographieren gebraucht hätte.

 

An einem weiteren Stand galt es zu erschnüffeln, welche Substanzen gegebenenfalls mit dem Betäubungsmittelgesetz in Konflikt stehen: Zimt, Curry, Thymian, Kaffee, Zitrone, Rosmarin, Marihuana und Spitzkegelige Kahlköpfe. (Man rate, was nicht verboten ist und was ich nicht erkannt habe. Ein Zusammenhang ist denkbar … Eine Karriere als Drogenspürhund schließe ich jedenfalls aus.)

 

"Ein Tag mit uns" Leistungsschau der Polizei NRW

 

Am Waffenstand lernten wir, welche Hieb- und Stichwaffen zu besitzen oder zu führen erlaubt sind. Viele sind es nicht. (Ich will nicht wissen, in wie vielen Kellern noch seit 2004 verbotene Butterflymesser lagern, die man sich in jungen Jahren gekauft hat, weil das Hantieren damit so cool aussah …) Zum Beispiel darf man große Küchenmesser zwar besitzen, aber – ob nun blutverschmiert oder nicht – nicht auf offener Straße zugriffsbereit mit sich führen. Ab einer Klingenlänge von über zwölf Zentimetern wären ihr Führen eigentlich auch zuhause ordnungswidrig und bußgeldbewehrt, wenn sie dort nicht »einem allgemein anerkannten Zweck dienten«, »ein berechtigtes Interesse besteht« und »ein vom Gesetz anerkanntes Bedürfnis vorliegt« – nämlich Zwiebeln schnippeln.

 

Auch mein Promi-Radar funktionierte vortrefflich; er sprang an, als sich der Chef vons Ganze, der recht neue Minister des Inneren Ralf Jäger – hauptsächlich bekannt aus der Schelte rund um die Loveparade – blicken und ablichten ließ.

 

"Ein Tag mit uns" Leistungsschau der Polizei NRW

 

 

Als Höhepunkt war eine Abseilaktion des SEK aus einem Hubschrauber über dem Elisengarten vorgesehen. Sechs vermummte Beamte ließen sich in Windeseile ohne Sicherung aus circa 25 Metern Höhe auf die abgezäunte Wiese hinabgleiten, auf der eine Entführungsszene nachgestellt wurde. Etliche hundert Zuschauer wohnten dem Spektakel bei.

 

SEK Abseilaktion Elisengarten

 

Wie man sich auch ohne Studium der Aerodynamik leicht vorstellen kann, muss so ein großer Drehflügler für den nötigen Auftrieb ordentlich Wind machen. Mich focht das nicht weiter an, denn über zwei Zentner lassen sich nicht so leicht umpusten. (Und mein Gesicht war durch eine fette Spiegelreflexkamera vor herumfliegenden Kleinteilen geschützt.) Juvenile und Leptosome waren in ihrer Standhaftigkeit schon eher gefährdet, ebenso raumübergreifendes Großgrün, denn:

 

Als wir nach der Show den Elisengarten Richtung Mayersche wieder verließen, fielen uns eine Menge belaubter Äste am Boden auf, die da so nicht hingehörten – und wenige Minuten vorher, als wir dort vorbeikamen, auch sicher noch nicht da lagen. Erst später erfuhren wir, dass sechs Zuschauer von den niedergegangen Ästen verletzt worden waren. (Und sie hatten noch Glück, denn ein zufällig dort anwesender Gitterzaun dürfte den Aufprall ein wenig abgefedert haben.) Wie die meisten Zuschauer hatten wir von dem Zwischenfall wegen des tosenden Lärms der Rotoren nichts mitbekommen.

 

Abgebrochene Äste

 

Wir hatten Glück, denn hätten wir nur ein paar Meter weiter rechts gestanden, wären es unsere Köpfe gewesen, die die Äste abbekommen hätten. Hätte ich hingegen noch ein paar mehr Meter weiter weg gestanden, hätte ich das Unglück prima knipsen können *$$$* …

 

 

Sonntag, 3. Oktober 2010

Unfassbar, auch noch 20 Jahre nach der Deutschen Einheit trauern viele der DDR hinterher!

 

Besonders die Wessis.

 

 

Montag, 4. Oktober 2010

Erst jetzt entdeckte ich am Eingang des Tierparks folgendes Schild:

 

"Fotografieren im Aachener Tierpark"

 

Upsi! Aus diesem Grunde sei's getrommelt und geklopfet: Die hübschen Tierbilder auf diesen Seiten vermochte ich im Euregiozoo, Aachener Tierpark Gemeinnützige AG, http://www.euregiozoo.de/Folge mir! Ich bin ein Link! (externer Link) aufzunehmen, dem dafür von Herzen gedankt sei.

 

Ferner möchte ich mich an dieser Stelle für die stets duldsame Unterstützung auch und vor allem bedanken bei den Beos, Maras, Degus, Luchsen, Waschbären, Erdmännchen, Murmeltieren, Marderhunden, Hängeohrziegen, Brillenpinguinen, Totenkopfäffchen, Pinselohrschweinen, Weißbüscheläffchen, Schottischen Hochlandrindern, Schwäbisch-Hällischen Landschweinen – und natürlich bei den Kleinen Pandas.

 

Erdmännchen, Kleiner Panda, Weißbüscheläffchen, Hahn, Murmeltier, Schwein, Hamster, Pinselohrschwein, Totenkopfäffchen

 

 

Dienstag, 5. Oktober 2010

Heute hat bei mir das Terabyte-Zeitalter begonnen. Strenggenommen sogar das zweifache: Denn was wäre eine neue interne Festplatte ohne ein gleichgroßes externes Pendant für regelmäßige 1:1-Backups? Meine Kursteilnehmer beruhige ich zwar immer, dass sie zurzeit gängige Speichermedien mit 500 Gigabyte in diesem Leben mit Word-Briefen und E-Mails nicht mehr vollgeschrieben kriegen werden. (Wenn ich die Zahl der Anschläge pro Minute im Tagebuch beibehalte und sobald kein Mittel gegen Logorrhoe gefunden wird, könnte ich hingegen es hinkriegen …) Doch wenn man sich mit digitaler Photographie beschäftigt und seine Musik nur noch Bit für Bit von starren Magnetscheiben hört, geht sowas recht rasch.

 

1 Terabyte

 

Nicht ganz so rasch ging vonstatten, das ganze Konvolut an Daten von der alten auf die neue Platte zu bugsieren, Fachwort: migrieren. Man könnte daher sagen, meine Dateien haben nun Migrationshintergrund! Das kennen sie aber schon, einige schleppe ich seit 1993 mit; sie mussten schon etliche Male die HDD wechseln, wenn nicht gar gleich den ganzen Heim-PC. Die Integration verlief stets harmonisch. Und nie haben sich die .DOC-Dateien aus dem Ordner »Dokumente« und die .JPG-Dateien aus dem Ordner »Bilder« beschwert, dass sie in Parallelgesellschaften leben müssen. Warum auch, Parallelen treffen in der Unendlichkeit zusammen – und darauf freuen sie sich schon!

 

 

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Das Neue Orchester beging die »Generalprobe mit Publikum« für das Konzert anlässlich seines zehnjährigen Bestehens gemeinsam mit dem Jungen Chor im Seminarraum im Klinikum Aachen. Klassische Klänge auf giftgrüner Auslegeware, hatten wir schon mal.

 

Das Neue Orchester, »Generalprobe mit Publikum«

 

 

Gänzlich neu am ohnehin schon futuristisch anmutenden Klinikum ist die nicht minder avantgardistische Hubschrauberladeplattform auf dem Vorplatz, mit praktischer Rutsche direkt auf den OP-Tisch. (Vor der Tür rauchende Patienten werden sich zukünftig hübsch in Acht nehmen müssen, wollen sie nicht ob des Abwindes vollgeascht werden.)

 

Neuer Heliport Klinikum Aachen

 

 

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Den Literaturnobelpreis 2010 erhalte… erhält in diesem Jahr Mario Vargas Llosa. Von ihm habe ich bisher nur folgenden Satz gelesen: »Das Leben ist ein Sturm aus Scheiße, die Kunst der einzige Regenschirm, den wir haben.« Wie sehr er damit auch recht haben mag – bildlich vorstellen möchte ich mir das bitte, bitte nicht!

 

Literaturnobelpreise

 

 

Das Jubiläumskonzert des Neuen Orchesters fand vor vollem Hause in der Michaelskirche Hagios Dimitrios statt; das ist die mit der hübschen Fassade. Während ich auf den Emporen verstohlen und geräuschlos Bilder zu machen versuchte, variierte wie schon gestern eine Solistin auf ihrem Violoncello heftig über ein Rokoko-Thema; sie trägt den für eine Cellistin kongenialen Namen Cosima Streich – da denkt wohl niemand mehr an Tuba oder Triangel. Das Besondere am Konzert mit Werken von Bizet, Tschaikowsky, Vaughan Williams und Rutter war allerdings der andere Solist, Tom Morrison an der Viola, der in Personalunion auch als Dirigent fungierte.

 

Jubiläumskonzert des Neuen Orchesters, Michaelskirche Hagios Dimitrios Aachen

 

 

Freitag, 8. Oktober 2010

Das zweite Frühstück nahm ich in netter Begleitung im Café Kittel ein. Junge, Junge, was bin lange nicht mehr dort gewesen. Heutzutage komme ich meist nicht über die alles überstrahlende Pontstraße Nummer 1–3 hinaus. Zu Beginn meines Studiums gehört das Kittel zu meinen Standard-Anlaufpunkten, genauso wie das Labyrinth. Das Egmont war nur eine Pinte von vielen.

 

(Weniger noch: Lange Zeit wusste ich gar nicht, dass das Egmont Egmont heißt! Weil die Markise wohl von einer Dortmunder Brauerei gesponsert worden war, prangte deren Name sehr viel prominenter darauf, so dass man sich folgendermaßen verabredete: »Lass uns doch ins Brinkhoff's gehen!« Solche Missverständnisse kommen inzwischen nicht mehr vor, mittlerweile verfügt das Egmont über eine höchst fähige PR-Abteilung …)

 

Im Café Kittel jedenfalls war es, wo damals Freunde gefunden, ergreifende Gespräch geführt und etliche BAFöG-Taler ihrer wahren Bestimmung zugeführt wurden. Und wie schon Hobbes gefällt es mir einfach, Kittel zu sagen. Kittel, Kittel, Kittel, Kittel, Kittel, Kittel!

 

Café Kittel, Pontstraße Aachen

 

 

Neues vom Bild-Bilderklau: Nachdem ich endlich jemanden mit Prokura bei der Köln-Düsseldorfer Redaktion erreichen konnte, forderte ich ein aussagekräftiges Angebot an, um der ungenehmigten Verwendung meiner Polizeieinsatz-Photographie im Nachhinein noch meine Zustimmung erteilen zu können. Nun, gegen Zahlung von 400 Euro plus Mehrwertsteuer war ich bereit, mir Anstand, Schicklichkeit und Moral abkaufen zu lassen …

 

Aber nochmal: Wenn die Bild-»Zeitung« sich das Photo nicht hintenrum besorgt hätte – von mir hätte sie es nicht bekommen! Max Goldt schrieb einst:

»Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muß so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.«

Und Die Ärzte lieferten sogar eine umfangreiche Inhaltsangabe in Reimform:

Lass die Leute reden und lächle einfach mild.

Die meisten Leute haben ihre Bildung aus der Bild.

Und die besteht nun mal – wer wüsste das nicht –

aus Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht!

Ich hatte jedenfalls Glück, dass das Ganze ohne gerichtliche Schritte vonstatten gehen konnte. Denn zwischen den Mühlsteinen der Justiz sein Recht einzuklagen, kann mitunter aufwendig sein. Glück hatten und haben (einstweilen!) aber auch all diejenigen anderen, die sich Bilder von meiner Homepage klauen. Denn eins ist mal klar: Wenn ich mir einmal den Stress antue, mir einen Anwalt zu suchen und mich durch das Urheberrecht durchzubeißen, sind auch alle andere Fälle fällig!

 

 

Abends war beim Lichterfest im Tierpark nicht nur Stockbrot, sondern auch sonst eine Menge gebacken. Ausnahmsweise durfte man nach der eigentlichen Öffnungszeit in Dämmerung und Dunkelheit den Tieren beim Zubettgehen – oder je nach Spezies auch beim Aufstehen – zusehen.

 

Die primär anvisierte Zielgruppe der Drei- bis Dreizehnjährigen hatte sichtlich ihren Spaß, was für die Erziehungsberechtigten nicht ohne weiteres gegolten haben dürfte. Denn nachts sind alle Flamingos grau – und der menschliche Nachwuchs ebenfalls. Erschwerend kam hinzu, dass selbiger gleich tausendfach in der Düsternis umherwuselte. Doch größere Verluste waren nicht zu beklagen. Und zur Not kuschelt man sich einfach an einen der süßen Kleinen Pandas …

 

Was allerdings ein bisschen pervers erschien, war der Würstchen-Verkauf eingangs des Kinderbauernhofs – während nur wenige Meter weiter die gemütlichen Schweinchen schnarchten. Vielleicht sollte man auf der Beschilderung die Pünktchen des Umlauts entfernen und aus »Bitte nicht füttern!« bei Gelegenheit »Bitte nicht futtern!« machen …

 

WDR-Lichterfest im Aachener Tierpark - Nachts sind alle Flamingos grau

 

 

Samstag, 9. Oktober 2010

An Baumaßnahmen tut sich so allerlei im Städtchen. In jeder zweiten Straße wird gebuddelt, am Kaiserplatz gehen die Abrissarbeiten für die im Frühjahr 2009 (!?) zu eröffnende Kaiserplatzgalerie munter weiter und am Büchel soll das Einkaufszentrum »Beletage« entstehen. Shopping-Malls kann man schließlich nie genug haben, jetzt, wo wieder Aufschwung ist. Die benachbarte Antoniusstraße hätte auch mal eine Runderneuerung ihrer Bausubstanz nötig. Aber da wurde lange nichts mehr reingesteckt. Jedenfalls nicht in die Häuser …

 

Abrissarbeiten Baustelle Kaiserplatzgalerie

 

 

Weil 999.942.299.648 Byte ja irgendwie gefüllt sein wollen, unternahm ich einen phototechnisch unterstützten Spaziergang im Aachener Süden. Schon beim ersten Schnappschuss, einem Puppentorso mit Feldstecher auf einem Balkon im dritten Stock, bellte mich eine Frau aus dem Hochparterre an: »Haben Sie etwa gerade ein Bild von unserem Haus gemacht?« Herzlichen Dank auch, Google, hast durch Dein Streetview nun alle Häuslebesitzer schön paranoid gemacht!

 

Paranoider Häuslebesitzer ...

 

 

Da ich bereits einmal von einem Hund gebissen worden bin, lasse ich mich auf Diskussionen mit Hundebesitzern nicht mehr ein. Es war ein Klassiker, damals im Wald: Die ältliche Besitzerin rief mir noch den beliebten Satz zu: »Der tut nichts, der will nur spielen!«, und zack!, im nächsten Moment hing ihr Waldi in meiner Wade! Gewiss, es war ein kleiner Hund und mein Bein ist ja noch dran, aber seit dieser Episode gebe ich auf Beteuerungen von Hundenarren keinen feuchten Scheißdreck mehr! (Dürften sie ja auch schon genug frei Haus geliefert bekommen …)

 

Wenn mir heute in der Öffentlichkeit ein freilaufender Hund begegnet, rufe ich mit fester Stimme freundlich aber bestimmt: »Nehmen Sie Ihren Hund bitte an die Leine!«, und meistens ist der Fall damit erledigt. Ich halte das für eine durchaus verständliche Bitte – die Hundeführerin, die mir heute am Eselsweg entgegenkam, nicht. Sie nahm ihren Hund zwar zunächst am Halsband, ließ ihn aber sofort wieder los, nachdem sie nach dem Warum gefragt und meine Hundebisserfahrung als Antwort bekommen hatte. Statt meinem bescheidenen Wunsche nachzukommen, fing sie an, mich wüst zu beschimpfen – hey, die Alte wurde richtig unflätig! Aus Furcht, sie würde mir noch was antun, schoss ich flugs ein Portrait von ihr, dann hätte ich später Beweismittel. Sie untersagte mir wutentbrannt dessen Veröffentlichung; diesem Wunsch komme ich natürlich nach:

 

Abbildung ähnlich!

 

 

Der weitere Gang durch den Büsch verlief ohne größere Zwischenfälle – sieht man mal davon ab, dass ich mich bei einer Exkursion in den Wald hinein, um zu sehen, ob's heuer schon Pilze hat, übelst im Himbeergestrüpp verheddert habe. Das war bestimmt die Strafe des Karmas für das morgendliche Croissant mit Himbeer-Fruchtaufstrich (55 Prozent Fruchtanteil).

 

Phototour Aachen-Süd

 

 

Nachts wurde ich Zeuge einer eigenartigen Koalition auf dem Marktplatz: Die kleine, sonst immer lautstark durch die Straßen krakeelende Burkaträgerin – jedenfalls glaube ich, dass es eine Frau ist, man sieht's ja nicht genau – und der ältere Herr im hellen Trenchcoat und seinen Habseligkeiten in Plastiktüten, der einen immer mit »Ich hätte eine große Bitte an Sie …« anspricht, standen in trauter Eintracht auf dem Platze und plauderten locker miteinander. Es erinnerte schon ein wenig an die stotternden Folterknechte aus »Das Leben des Brian« .

 

 

Eigentlich nur zugegen, um die neue Veranstaltungsreihe »Midnight Dance« im EGMONT photographisch zu dokumentieren, ließ ich mich animieren, auch selbst das Tanzbein zu schwingen, um mal eine zurecht im Aussterben begriffene Redensart letztmalig zu verwenden.

 

Nachdem die zahlreichen Live-Konzerte im Egmont etabliert sind, gibt es nun auch etwas für die Tanzbegeisterten: Von Oktober bis April wird an jedem zweiten Samstag des Monats der vordere Teil des EGMONT ab Mitternacht zur Tanzfläche und eine DJane heizt den Gästen mit warmen Grooves ein. Bei freiem Eintritt und Tequila für einen Euro sollte für Stimmung gesorgt sein.

 

Was mir in jungen Jahren selten bis nie passiert war, widerfuhr mir am heutigen Abend: Bis dahin Fremde gingen auf Tuchfühlung und wollten mit mir zusammen photographiert werden. Auch wenn meine Finger blieben, wo sie waren, dachte ich nur: Du kriegst 'ne Menge Ärger, Mister! [Der darauffolgende Tag bewies allerdings das Gegenteil.] Bereitwillig überließ ich auch die EOS zeitweise einem aufstrebenden Nachwuchstalent, so dass etliche Bilder auf dem CF-Chip landeten, die sonst niemals dort gelandet wären.

 

Ich hatte die riesige, gleichzeitig im Eurogress stattfindende Ü30-Party ganz aus dem Blick verloren – dabei wäre das die letzte gewesen, auf die ich durfte: Bei der nächsten Ü30 bin ich doch schon Ü40 …

 

Nicht genug, dass er sich durch greise Barttracht und schieren Körperumfang schon ausreichend von den adoleszenten Tänzerinnen unterscheiden würde, nein, Vattern musste im Gegensatz zu den zumeist erdfarben oder neutral gewandeten Mittänzern auch noch im knallroten Polohemd abhotten …

 

EGMONT Midnight Dance

 

 

Sonntag, 10. Oktober 2010

Die Standesbeamten schieben heute am 10.10.'10 Sonderschichten, damit die zahlreichen Paare mit Kurzzeitgedächtnis sich ihren Hochzeitstag besser merken können. Liebe Liebenden, wenn Ihr sowas nötig habt, warum lasst Ihr's dann nicht gleich?!

 

Wirklich heftig wird es nächstes Jahr: Am 11. Mai wird das Hauen und Stechen auf den Standesämtern im Rheinland losgehen, denn ab dann kann das Aufgebot für den 11.11.'11 bestellt werden. Aber nicht vergessen, liebe Karnevalisten: Zwischen 3. und 8. März auch noch was Nettes zum Heiraten aufreißen!

 

 

Montag, 11. Oktober 2010

Dieses eine Photo zieht Kreise: Eben rief jemand vom Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei Nordrhein-Westfalen an, man möchte das Bild für Schulungszwecke nutzen. Genehmigung erteilt!

 

 

Dienstag, 12. Oktober

Nachdem er zwischenzeitlich wieder seine Macken hatte, funktioniert mein Computer derzeit wieder. Jedenfalls wenn man denn bei Windows Vista von »Funktionieren« sprechen mag:

 

"Schalten Sie den Computer nicht aus. Installiert wird Update 1 von 26 .."

 

 

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Nach Ansicht des FDP-Generalsekrets Christian Lindner soll Deutsch künftig Pflichtsprache auf deutschen Schulhöfen sein. Warum muss ich jetzt an ein blindes Huhn denken …? Vielleicht weil dies Ansinnen aller Ehren wert ist; allein die Umsetzung birgt gewisse Kalamitäten: Neben jeden Schüler einen Aufpasser zu stellen, sprengt höchstwahrscheinlich die Personaldecke hiesiger Bildungseinrichtungen. Schön wäre es schon, denn dann müsste man solches nicht zu hören bekommen:

Hi Buddy, sollen wir die stylishen Chicks checken und ein Date timen? Die sind voll laser, aber posen eh nur wie Topmodels. Sollen wir lieber mit der Crew chillen und ein paar Wannabes dissen? Wir können auch mit dem Smartphone chatten, telen oder skypen. Aber vorher noch die Top-Twenty der deutschen Single-Charts aus dem Online-Store auf den iPod downloaden. Der Shit ist voll tight! Ich hol mir bald nen derbst fetten Roaming-Tarif, prepaid oder als Flat.

Oder war eine andere Sprache gemeint?!

 

 

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Jetzt habe ich doch tatsächlich die neue Fernsehserie verpasst, von der alle reden! Obwohl von unterirdischer Qualität, erhielten die 33 Folgen à 30 Minuten, ausgestrahlt von mehreren Sendern weltweit gleichzeitig, Traumquoten. Allerdings wurde die chilenische Telenovela so kurzfristig ins Programm gehievt und hintereinanderweg an einem Tag ausgestrahlt, so dass die gedruckten Fernsehzeitschriften nicht mehr reagieren konnten. Die Schauspieler der innovativen Bergarbeiter-Saga mit Realityshow-Anteilen hatten sich vor ihrem Auftritt 69 Tage lang mittels Method-Acting nach Strasberg und Stanislawski ausführlichst in ihre Rollen vertieft (mehr als 600 Meter!). Ihnen winken nach der Ausstrahlung hochdotierte Werbeverträge für Sonnenbrillen und Rettungskapseln. Nach dem großen Erfolg laufen die Vorbereitungen für die Fortsetzung bereits auf Hochtouren, Drehort wird wahrscheinlich ein Bergwerk in China sein …

 

 

Eine andere tägliche Seifenoper verfolge ich hingegen sporadisch: »Stuttgart 21 – Heischer Herbscht im Schwabeländle« Da haben sich die Programmgestalter echt mal was einfallen lassen, Action, Massenszenen, verworrene Handlung und das alles an Originalschauplätzen! Allein der Titel: Stuttgart 21 – das klingt doch schon so wie Dresden 45 …

 

Hätte ich im Frühjahr gewusst, was im Herbst dort alles los sein würde, hätte ich sicher mehr Bilder vom Schlossgarten gemacht als dieses eine hier:

 

Stuttgart 21 – Heischer Herbscht im Schwabeländle

 

 

Freitag, 15. Oktober 2010

Mit einem gerüttelt Maß an Sacher- und Linzer Torte im Gepäck fuhren wir in die für ihre Weine weltweit bekannte Vulkaneifel zum Wiegenfest eines angehenden Jungwinzers. Angesichts des reich bestückten Apfelbaumes wäre auch eine Karriere als Viezbauer denkbar …

 

Weinbeeren & Äpfel - Wein und Viez

 

 

Viez ist bekannt? Es handelt sich um recht säuerlichen Apfelwein moselfränkischer Provenienz; oft und gerne von Früchten von der eigenen Streuobstwiese, die zu sauer wären für den sofortigen Verzehr, gekeltert und im eigenen Keller traditionell ausgebaut in Plastiktanks. Der folgende, im Netz aufgelesene Zweizeiler beschreibt die Vorzüge wohl erschöpfend:

Oh Viez, watt biste für en Trank,

ma bleivt gesund un gitt net krank.

 

Manfred 69

 

 

Der Weg zum elterlichen Haus war diesmal gar nicht so einfach zu finden: Haupt-, Wald- und Raderstraße erfahren derzeit ihre schwer nötige Grundsanierung. Ich meine, mich erinnern zu können, dass mein Jugendzimmerchen einst an einer Durchfahrtsstraße lag – plötzlich befindet es sich in einer Sackgasse!

 

Baustelle

 

 

Samstag, 16. Oktober 2010

Bei einer Ortsbegehung schauten wir uns an, was von Gerolstein übrigbleiben wird wie die umfangreichen Bauarbeiten im Städtchen so vor sich gehen.

 

Was von Gerolstein übrig bleibt ...

 

 

Wieder daheim sahen wir, wer da neuerdings sonst noch so vor sich geht:

 

Look who's walking!

 

 

Sonntag, 17. Oktober 2010

Aus einem kleinen Spaziergang wurde ein strammer Gang zur Königsfichte, die uns mitten im nebligen Tann herbstlich willkommen hieß.. Sie ist mit 48 Metern gar nicht so viel größer als die drumherumstehenden Bäume. (Was aber von Vorteil ist: Sonst hätten Wiebke, Lothar oder Kyrill dem 200-jährigen Flachwurzler schon längst den Garaus gemacht.) Nicht nur auf die Länge kommt es an, sondern auch auf den Durchmesser: Und dieser Baum ist echt fett im Unterschied zu den hungrigen Strohhälmchen drumherum!

 

Königsfichte Gerolstein, H: 48m, Ø: 1,35 m, U: 4,25 m,  35,2 fm

 

 

Montag, 18. Oktober 2010

Die Nachrichten melden, dass der Boxgegner von Vlitalidimir Klitschko vermutlich einen Hirnschaden hat. So what? Ohne Hirnschaden stellt man sich wohl kaum in einen Boxring!

 

 

Dienstag, 19. Oktober 2010

Wenn man dies hier so liest, könnte man meinen, dem Autor geht's gut. (Mancher wird sagen, wohl zu gut …) Doch wie stand schon auf dem Lustigen Taschenbuch Nummer 31: »Unverhofft kommt oft«. Mein Zipperlein hat sich nun nach Jahren wiedergemeldet. Es beließ es aber nicht mit einer Postkarte aus dem sonnigen Süden, sondern sendete Schauer scheußlichen Schmerzes in meinen linken Fuß. Erwähnte ich an dieser Stelle schon einmal meine Theorie, dass wenn irgendetwas zu gut läuft, kurz darauf irgendetwas anderes richtig schiefläuft? Nein? Ist aber so. Im Moment bin ich es, der schief läuft. Nun gut, solange es nur ein Gichtanfall ist, soll's mir recht sein. Der tut zwar weh und fesselt mich ans Haus – aber geht vorbei. (Und das Tagebuch wird wieder lang …)

 

Da sich die Brigade meiner Leibärzte letztes Jahr samt und sonders zur Ruhe gesetzt hatte – bin am Ende ich schuld?! –, war ein neuer Hausarzt fällig. Auf Anraten einer guten Freundin fand ich ihn im Facharztzentrum über dem B9. (Jugendliche Partypeople wissen, was das ist. Ü30-er kennen's noch als »Metropol« in der Blondelstraße 9 – es lebe der Einfallsreichtum bei der Namensgebung …)

 

Schon der Aufenthalt im Wartesaal war ein Erlebnis. Beziehungsweise keines: Ich hatte mir den Spiegel besorgt, um nicht mit anderen Patienten um die keimbelasteten Druckerzeugnisse des Lesezirkels konkurrieren zu müssen. Doch jedwede Bazillen hätten gar nicht überspringen können: Noch bevor ich den schmucken Titel mit den fabelhaften Guttenbergs angemessen bewundern konnte, rief mich der Arzt ins Sprechzimmer. Er machte einen freundlichen und kompetenten Eindruck – und schloss sich meiner Diagnose an. (Die Symptome schienen aber auch wie aus dem Lehrbuch: plötzliche, über Nacht eintretende Rötung und heftige Schmerzen schon bei Berührung des Großzehengrundgelenks ohne nachvollziehbare Ursache.)

 

Gichtige Haxen

 

Der neue Doc beherzigt die sprechende Medizin, beantwortete alle offenen Fragen und verschrieb eine plausible Medikation: Der ausgewogene pharmakologische Cocktail bestand aus dem bewährtem Diclofenac Diclofenac gegen die Schmerzen, dem laut WHO unentbehrlichen Allopurinol Allopurinol zur Hemmung der Harnsäurebildung und dem aus mancherlei Hexenküche bekanntem Herbstzeitlosenextrakt Herbstzeitlosenextrakt.

 

Herbstzeitlose kenne auch ich seit Kindertagen: Unter den wilden Apfelbäumen am Titicacasee blühten sie im Herbst, erhielten von uns aber aus naheliegenden Gründen den Namen Pissnelken …

 

Die Streuobstwiese vor dem Haus von Gina-Lisas Onkel ist anscheinend immer noch verwaist, wie man noch am Sonntag an dem sträflich ungenutzten Apfelaufkommen erkennen konnte:

 

Fallobst

 

Aber ich schweife schon wieder ab. Kein Wunder, wenn man schon nicht gehen kann, sollte man sich im Geiste bewegen.

 

 

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Mit TVgenial, dem elektronischen Fernsehprogramm von Hörzu, hat man immer wieder unerwartet Spaß:

 

SCREENSHOT Spaß mit TVgenial ...

 

 

Freitag, 22. Oktober 2010

Nach schier endlosen Tage des Herumhängens war es mir heute vergönnt, einer Exkursion in akademische Höhen beizuwohnen. Und ein bisschen herumzuknipsen. Gab auch höchste Zeit. Nicht, dass ich noch gichtige Haxen und Medis ablichte!

 

Exkursion in akademische Höhen

 

 

Samstag, 23. Oktober 2010

40 ist das neue 20!

 

40 ist das neue 20!

 

 

Montag, 25. Oktober 2010

Leider ist die Rosette von St. Adalbert sehr milchig verglast:

 

Rosette von St. Adalbert

 

 

Dienstag, 26. Oktober 2010

Paul is dead †. Nein, nicht der linkshändige Bassist dieser einen Kombo aus den Sechzigern. Sondern der Paul, der wirklich etwas geleistet hat in seinem Dasein, indem er nämlich durch hellsichtiges Muschelfressen dafür gesorgt hat, dass Spanien die WM gewinnen konnte.

 

 

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Ich traf an der Theke zufällig einen bis vorher namentlich nicht bekannten Stammleser. Er sagte mir, dass, wenn man +EGMONT +WOHNZIMMER googele, käme man hier hin. Stimmt aber nicht, schnüff …

 

 

Freitag, 29. Oktober 2010

Gib es es zu, Spiegel-Online, das Haupt-Einstellkriterium für Deine Bildredakteure ist eine Eins in Kalauern!

 

SCREENSHOT Bestechliche Ärzte

 

 

Samstag, 30. Oktober 2010

Die Tagesschau verkündet – wieder einmal … – das Ende der Sommerzeit. So ein Unsinn! Wetten, dass sie nächstes Frühjahr doch wieder eingeführt wird?

 

 

Die Tippgeber, die an der »Von Lesern für Leser«-Pinnwand in der Mayerschen ihre Empfehlungen zum Besten geben, gehen reichlich imperativ zu Werke: Keinen Widerspruch duldend schreibt jeder zweite, dieses und jenes Buch müsse man gelesen haben. Einen Scheiß muss ich!

 

 

 

Das bisschen, was ich lese,

schreib ich selber!

 

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