zur StartseiteTLs geheimes Kochbuch - Rezepte aus aller WeltTagebuch - Kommentare, Anekdoten und Sentenzen. Und natürlich Bilder dazu!Photoshootings in Aachen und Umgebung - People, Events, HochzeitsreportagenWebdesign - eine neue Homepage gefällig?Computerunterricht nach eigenen Wünschen im eigenen Zuhause
diario trollo - Kommentare, Anekdoten und Sentenzen - TLs Online Tagebuch diario trollo - Kommentare, Anekdoten und Sentenzen - TLs Online Tagebuch
Dezember 1999
diario trollo - Kommentare, Anekdoten und Sentenzen - TLs Online Tagebuch

Mittwoch, 01. Dezember 1999

Ich komme gerade vom Straßenverkehrsamt, wo wir das Auto vom Schätzchen umgetauft haben. Meine Aufgabe bestand in der Demontage der alten sowie der Montage der neuen Schilder. Zu diesem Zwecke hatte ich extra 3 verschiedene Dreher dabei: einen großen Schrauber, einen kleinen Schrauber und einen Kreuzschlitz. Und natürlich, es waren Schilder zum Einschieben … Und da die da vor 10 Jahren zuletzt reinbewegt worden waren, hat sich selbstverständlich der Dreck des ganzen Jahrzehnts in den Ritzen versammelt.
Das Amt hat aber einen hervorragenden Service, auch besides der Blechdeckelstempelung: Auf dem Vorplatz des Gebäudes war ein monumentaler Hundeschiß, so richtig ekelig semiliquid und auf dem regennassen Boden nicht zu erkennen. Ein armer Zeitgenosse ist da auch bereits neidappt, so daß eigentlich von 2 Schissen zu reden ist. Von jenem stammen bestimmt auch die netten Warnzettelchen, die er daneben gepinnt hat: »Scheiße!« Und ich hatte keinen Photoknips dabei!

Sonntag, 05. Dezember 1999

Been to Eiflia again. Die Fahrt war mal wieder wie ich das liebe: Auf der Hinfahrt wurden wir fast weggeblasen, auf der Rückfahrt schnie es wie verrückt – wir haben ja M&S-Reifen; die Experten, die uns volle Breitseite entgegenrutschten natürlich nicht.
Ich bin ja für Kontrollhäuschen an den Toren der Eifel - da darf einfach nicht jeder rein! But: Wir kamen heil hier an und – man höre! – auf dem Rückweg fuhr sogar ich. Einmal im Jahr soll man sich das antun.

Die Heimat verödet zusehends: Samstags waren wir auf dem sogenannten Weihnachtsmarkt. »Gerolstein in Aktion« kann ich nur sagen –10 verlorene Büdchen und dazwischen etwa genausoviele Besucher. Was waren das doch damals für Events, als man am Nikolaussamstag kaum den Flecken hochkam …

Montag, 06. Dezember 1999

Ei, was geht denn da gerade ab in Deutschland? Da verpaßt man mal 3 Tagesschauen und schon geht die CDU jenseitsmäßig in die Knie. Erst machte die F.D.P. fast pleite – wir erinnern uns dunkel – und nun die Partei vom bislang sakrosankten Dicken, wenn sie jetzt Millionensummen zurückzahlen muß. Die Spenden an die CDU waren also sehr lohnenswert: Das wird jetzt alles dreifach zurückgezahlt …
Und was da noch so alles ans Licht kommt … imposant! Die Bananenrepublik Deutschland hatte unter Bimbeskanzler Kohl eben doch die beste Regierung, die man für Geld kaufen konnte.
Schwarzgeldkonten als Anderkonten zu bezeichnen, finde ich übrigens eine pfiffige kleine Wortneuschöpfung. Doch wen wundert das eigentlich: Daß die Schwarzen schwarze Konten haben? Schrieben ja auch schwarze Zahlen. Daß die Roten ihren Laden auch so finanzieren, glaube ich nicht: Seit wann können die Sozis mit Geld umgehen?! Die lassen sich höchstens dreist bei Bedarf die Hochzeit bezahlen oder den Ferienflug sponsern.
Das haben die sich verdient!(JÜRGEN BECKER:
»Würden Sie die Frau kennen, könnten Sie das verstehen.«
)

Die einzige Schwarze mit weißer Bluse in der CDU ist Angela Merkel, die beste Fehlbesetzung des Jahrtausends und bestimmt erste Bundeskanzlerin in ein paar Jahren.
Aber nicht daß die Jungens von der SPD irgendwie besser wären: Glogo und weiß der Teufel wer noch haben ja auch Dreck am Stecken (schöner Ausdruck, man stelle sich den mal bildlich vor) Und die F.D.P.ler waren ja schon immer Experten für so Sachen. Das schlägt dem »kleinen Mann auf der Straße« doch bestimmt tierisch auf die Moral: Wenn die schon keine Steuern zahlen und sonstige Schiebereien veranstalten, warum sollte er das nicht auch?!

Ja, da hock ich hier schon im Zentrum wie's zentraler nicht geht, und immer noch gehen zentrale Infos an mir vorbei: Wie ich eben – nachträglich natürlich – erfuhr, hatten Marillion am Wochenende hier einen intimen Gig - wo ich es doch im letzten Brief so mit denen hatte. Circa 500 Meter Luftlinie von hier, im Café Roncalli, durften 450 handverlesene Fanclubmitglieder from all over the world im familiären Kreise den elegischen Klängen lauschen. Mistmistmist.

Mittwoch, 08. Dezember 1999

Weinselige Grüsze heute – vertilge gerade den guten Beaujolais aus meiner Nikkelaustüte. Mama sei Dank.

Hey, das wird ja immer schlimmer: das mit den Handys. Mittlerweile hat ja jeder in der Stadt eins dieser Dingerchen an der Backe. Außer ich. (Oder mir?!)
Eben begrüßten mich auf dem Weihnachtsmarkt gleich mehrere mit einem freudigen »Hallo!«, so daß ich mich ebenso freudig umdrehte. Aber die blökten jeweils nur in ihre quäkenden Kisten! Und da haben sich früher die Leute über so was harmloses wie Walkmen aufgeregt!

Ich Webdesigner habe mir ein lustiges Spielchen ausgedacht: Ich werde eine Seite zusammenbosseln, in der möglichst viele abstruse Fachworte und Juxbegriffe vorkommen. Die werde ich dann bei den Suchmaschinen anmelden und gespannt darauf warten, wie gut ich indexiert werde. (Eine Topposition sollte bei so Wörtern nicht schwer sein.) Und wer sich auf meine Page verirrt. Ich denke da an so Begriffe wie Hornhauthobel (welch allerliebste Alliteration), Betonlutscher und ähnliches.

Habe ich mich schon über die neueste Pest echauffiert? Die ebenso unerwartete wie gnadenlose Zeit der Rückblicke: Und diesmal nicht nur aufs letzte Jahr, sondern auch aufs letzte Jahrzehnt, aufs letzte Jahrhundert und aufs letzte Jahrtausend! (Einige blicken gar bis ins Pleistozän zurück, weil Dinos nun mal schöner anzusehen sind als die Französische Revolution.) Ich bin ja schon froh, wenn ich die letzten Wochen auf die Reihe kriege. Zum Glück gibt's ja das diario.
Ich kann nicht mehr sehen, wie Kennedy erschossen wird, wie Marilyn Monroe dazu Happy Birthday singt, und Hitler darf natürlich auch nicht fehlen und das Wembleytor von '66. Und Robert de Niro sprich den Off-Kommentar dazu.

Nur noch 24 mal müssen wir miteinander schlafen, dann ist Millennium. Beim nächsten Mal mach ich auch mit!

No. 1Donnerstag, 09. Dezember 1999

Kennt noch jemand Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich? Besser bekannt vielleicht als Justus, Peter und Bob. Wer hat in seiner Jugend keine ???-Kassetten gehört? Im Keller fand ich jetzt ein Kartönchen mit den Tapes. Die hat mein Brüderchen noch nicht gefunden und sich unter den Nagel gerissen. (So wie meine umfangreiche Micky-Maus-Sammlung.) Die Bänder sind gewissermaßen eine Zeitkapsel, ich fühle mich zurückversetzt in vorpubertäre Zeiten, ebenso erstaunlich wie meine nie entwickelten Negative. Bis zur Folge »Der rote Pirat« habe ich ja auch einigermaßen mitgehalten, leider habe ich nur 15 Stück. Das kam mir immer viiiel mehr vor.
Ich höre sie mir zur Zeit kursorisch an, um meine Kenntnisse im Bereich Synchronsprecher zu perfektionieren. Meine Güte, so ein Zeug hat man damals angehört?! Die Story geht ja, die Darbietung klingt jedoch manchmal wie das Klassenhörspiel von Zwölfjährigen. Hm, vielleicht liegt das daran, daß die Jungs damals zwölf waren …
Aber auch die Vertonung ist sehr, äh … kindgerecht; man könnte auch sagen: unter aller Sau. Man hört genau, die Geräusche wohl von der O-Ton-Kassette kommen.

Die Bänder haben die Jahre relativ unbeschadet überstanden – bis auf ein Leierband sind alle noch in erträglicher Qualität. Von Dynamik zwar keine Spur, aber durchkopiert hat sich auch noch kaum etwas. Was mich sehr wundert: Sie wurden schließlich jahrelang in jämmerlichen Kinderkassettenrekordern hoch und runter genudelt.

Freitag, 10. Dezember 1999

Tadaa! Heute habe ich etwas getan, was ich seit knapp 18 Jahren nicht mehr getan habe: Ich habe mir eine Drei-Fragezeichen-Kassette gekauft! Denn: Es gibt sie immer noch! ( Oje! Nachher ist das noch ein Kult. Wobei – heutzutage ist ja alles Kult, von Verona Fickbusch bis Horn, Guildo Horn.)
Und brandaktuell sind's, die Buam: Handygeklingel, Internet und Schwadronierung über den neuen StarWars zeugen davon. Teil 86 heißt »Nacht in Angst«, und ist gar nicht mal so gut.
Heutzutage kost so was 9,99, früher waren es mal 6,80 oder so – mein Gott!, wenn ich an das ganze Geld denke, was man früher zum Kaufmann geschleppt hat! Damals hatte man doch keins.

Heute kann man allerdings noch mehr Geld drauf verschwenden, denn es gibt mittlerweile Stücker 88. Doch damit nicht genug: Die ersten 40 gibt es in 2 Versionen. Denn die Rechte für die ursprüngliche Musik sind abgelaufen und der Komponist wollte sich mit der Verlängerung wohl das Näschen vergolden. Die alten Bänder gibt's also nur noch auf dem Flohmarkt. Oder bei mir im Keller…
Wenn man dann noch auf solche Spitzfindigkeiten wie Hüllenspezifikation (rot oder klar, mit Stegen oder ohne), Einleger (weiß auf schwarz oder schwarz auf weiß, Vollformat oder nur halb) und Kassettenfarbe (gelb mit schwarzer Aufschrift oder schwarz mit gelbem Label oder schwarz mit weißer Aufschrift) Wert legt, erwächst daraus ein hübsches Sammelhobby, das manch erkleckliches Sümmchen verschlingen mag. Nicht zu vergessen, daß es ja auch noch LPs und CDs gibt …

Süchtigmachend ist so was allemal. (Manch einer sammelt ja sogar kleine bunte Kärtchen mit mysteriösen Gestalten drauf.) Aber warum auch nicht: Schließlich sind es gute Bekannte aus der Vergangenheit. Sie erinnern mich am die vielen langen Winterabende, die es heute ja dank elektrischen Stroms selbst in der Eifel nicht mehr gibt.

Unklar ist mir, wie alt Die Drei Fragezeichen heutzutage sind: Sind es noch Kinder oder schon Jugendliche? Im Hörspiel werden sie als »die Jungs« und »die Kleinen« bezeichnet. Die Original-Sprecher (!) müßten in real life stramm auf Mitte 30 zugehen.
Lustigerweise sind die Stimmen recht ähnlich geblieben: Justus quäkt nach wie vor, nur etwas tiefer, Peter klang schon immer erwachsen, dafür aber weiblich, und nur Bob merkt man den Stimmbruch an. Sie haben es mittlerweile sogar drauf, einigermaßen korrekt zu betonen. Sogar Justus.

Würde gerne wissen, wie die Drei heute aussehen. Sie vermeiden Photos, dem Charme der Hörspiele zuliebe. Allerdings sieht Andreas Fröhlich (Bob) in meiner Vorstellung endgültig aus wie Ethan Hawke, und bei Oliver Rohrbeck kommt mir immer Theo Huckstable von der Bill-Cosby-Show in den Sinn. Nur Jens ist gesichtslos.

Montag, 13. Dezember 1999

Happy Birthday, Uwe!

Dienstag, 14. Dezember 1999

Fuck! Dreifragezeichen gibt's im Mediamarkt sogar für 7,99 Mark. Obwohl man denen zur Strafe für diese abartige Reklame ja nix abkaufen sollte.
Mittlerweile habe ich auch Photos gefunden. Allerdings in sackschlechter Qualität. Es existieren wohl aus Absicht keine aktuellen Bilder, um die Illusion aufrecht zu erhalten. In Anbetracht dieses einen ist das wohl auch besser so …

Im Hörspiel sollen die ??? übrigens 16 Jahre alt sein. Prust! Die Sprecher sind fast doppelt so alt, man darf gespannt sein, was die mit 50 so machen. Obwohl: Die Stones gehen auch immer noch mit den gleichen Liedern auf Tour …

Man erfährt im Netz auch interessante Sachen: Zum Beispiel stammten früher die Bücher aus den U.S.A., wurden übersetzt und dann vertont. Heute wird zuerst in Deutschland das Hörspiel gemacht, danach das Buch geschrieben und dann nach Amerika übersetzt. Außerdem heißt Justus Jonas in der US-Version Jupiter Jones.

Mittwoch, 15. Dezember 1999

Diese ???-Geschichte wächst sich immer mehr zum Popanz aus: Auf einer der zahlreichen Webseiten las ich nun, daß es das auch als Theaterstück gibt. Wobei das ja nicht das gleiche sein dürfte, denn ein Hörspiel, welches die Zuschauer seit 20 Jahren auswendig kennen, kann nicht einfach von anderen Darstellern gesprochen werden. Also nennt sich das ganze Vollplaybacktheater. Ich stelle es mir so vor, daß die das Band laufen lassen und dazu ihre Faxen machen.
Das beste: Deren Tournee ist demnächst zuende – aber am Freitag sind sie hier im Autonomen Zentrum. Ich werde 2 Karten erstehen und am Samstag dann Bericht erstatten. Schätzchen kommt mit – ist schließlich die einzige Möglichkeit, mich ins Theater zu kriegen …

Samstag, 18. Dezember 1999

Hier nun die versprochene Manöverkritik der gestrigen Aufführung des Vollplaybacktheaters.

(Im Hintergrund werden die Magnetbänder digitalisiert. Ich hatte Bedenken wegen der Qualität der antiken Kassetten: Und die wirklichen Probleme bereitet die moderne Technik. Ich hätte auch niiiemals gedacht, meine 24 GB so schnell vollzukriegen …)

Ebenso suspekt wie das gesamte Playback-Unterfangen war mir von Anfang an der Ort des Geschehens: das Autonome Zentrum (AZ). Wie man sich lebhaft vorstellen kann, tun die Autonomen in aller Regel anderes als sich Hörspieltheaterstücke anzusehen.
Dementsprechend war das Interieur des AZ: Als Sitzgelegenheit gab es Bierzeltbänke, die vor einer eher improvisierten Bühne standen. Hübsch autonom halt. Erwähnte ich bereits, daß sich das das AZ in einem Bunker befindet, mehrere Meter unter der Erde, zwischen Aachener Hauptbahnhof und Gesundheitsamt?

Dumm fand ich wohl, daß auf den Eintrittskarten von einem Einlaß ab 19:00 Uhr und einem Vorstellungsbeginn um 20:00 Uhr die Rede war. Wie standen also frohgemut um 19:40 im Regen vor der Bunkertür, die uns um 8 sogar geöffnet wurde … Need I say, daß das Stück erst um 2100 CET begann …?
Aber man muß das ganze positiv sehen: Wäre ein Krieg in der Zeit über Aachen hinweggefegt, so hätten wir ihn überlebt …) Das Publikum war so zusammengesetzt wie ich es erwartet hatte: 3 Kinder im typischen Alter der primären ???-Zielgruppe, nämlich um die Zehn, der Rest waren vergnügungssüchtige Twens, hauptsächlich Studis – wie ich eben. Der Bunker war jedenfalls voll - das scheint wohl doch schon ein Kult zu sein!

Nun hätte ich vor lauter Rahmenbedingungen beinahe die Aufführung an sich unterschlagen: Das geht aber auch sehr knapp: Einfach gut! Diese Playback-Geschichte ist zu Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, danach aber superwitzig. Teilweise hat der Gespielte nur am Rande mit dem Hörspiel zu tun, und die Darsteller juxen wild auf der Bühne rum. Es wimmelt vor originellen Einfällen, von denen eine Menge augenscheinlich sehr spontan kamen. Wohlwollend kann man der Veranstaltung generell den »Charme des Unfertigen« bescheinigen …
Ein super Zwischenruf in einer brenzligen Situation kam aus den Publikum: »Nun stellt Euch nicht so an – Ihr seid doch nicht TKKG!« Alles in allem betrachtet … sind wir in den 1 ½ Stunden supi unterhalten worden … arschwitzig … jedem zu empfehlen …

Daß Justus Jonas ein Klugscheißer ist, war ja schon immer klar. Während der Vorstellung wurde mir jedoch klar, was für ein gigantischer Klugscheißer er ist. Aber das sind die meisten Kinder. Und viele sind es noch als Erwachsene …
Zudem es die Hörspiele mit der Logik auch nicht allzu genau nehmen. Sie bergen einige veritable Fehler: Zum Beispiel quäkt in Folge 1 der Super-Papagei Blacky bereits in der Zentrale auf dem Schrottplatz herum, bevor sie ihn haben! Aber genug der Spitzfindigkeiten.

Jetzt heißt es, alle Kumpane der Kindheit abzugrasen. Wer hatte damals die Kassetten und hat sie noch heute? Und wer rückt sie kampflos heraus! Wohl keiner. Anderthalb Jahrzehnte flogen die Tapes in den dunkelsten Ecken des Universums herum, doch wenn man jetzt drauf zu sprechen kommt, heißt es womöglich: »Och, die könnte ich mir ja auch noch mal anhören …« Aber vielleicht bekomme ich sie ja doch von einigen geliehen – zum Retten ins Digitale, bevor sie vollends verfallen.

Hier ein paar einschlägige Surftips:

Montag, 20. Dezember 1999

Horch, was ist denn das! Soeben kam im Fernseh ein Newsflash: Irgend so ein Arschloch hält in der Landeszentralbank (LZB) in Aachen 3 Menschen fest. Ui, spannend!
Weiß jemand, wo diese Bank ist? Am Bahnhof, nur 20 Meter vom Autonomen Zentrum (wo am Freitag noch VPT war!) entfernt – oder, wenn man's genau nimmt, noch näher dran, nämlich direkt daneben, nur 12 Meter tiefer.
An dem Gebäude mußte ich früher immer schwer bepackt vorbei, es liegt nämlich an meinem Fußweg vom Bahnhof nach Burtscheid. In der Sicherheitsschleuse LZB steckt jetzt ein Kidnapper und drei Geiseln. Wenn's denn noch drei sind …
Er ist in der Zentrale der Security-Firma in den Geldtransporter eingedrungen und dann mit seinen Geiseln wie im Trojanischen Pferd in die Bank eingedrungen. Forderungen hat er noch nicht gestellt. (»Ich verlange Waffen und Geiseln!«) Aber es herrscht natürlich weitgehend Nachrichtensperre. Nur soviel: Ich bin's nicht!

— — —

Later that same day:
Du liebe Zeit, hier ist die Höhle los! Die LZB ist abgesperrt und der Verkehr quält sich durch die verbleibenden Straßen. Der Bahnhof ist schließlich eine Hauptader der Stadt. Das Fernseh hat fein was zu tun: Alleallealle berichten sie, WDR, SAT.1, ZDF, RTL, n-tv, SEK … Nur leider haben sie nix: Immer die gleichen nichtssagenden Bilder, die zum Schweigen verpflichteten Polizanten, die generell ahnungslosen Journalisten und massig falsche Filmchen aus der Konserve. Morgen mal Frühstyxfernseh gucken.

Dienstag, 21. Dezember 1999

Wow, das wird ja eine Mega-Geschichte. Heute sind wir in fast allen Nachrichtensendungen der Aufmacher. Ziemlich gespenstig, wenn man diese alltäglichen Plätze von um die Ecke über alle Sender flimmern sieht. Mittlerweile ist's das »Geiseldrama von Aachen«. Ui!
Der steht vor der Stadtverwaltung!Da tummelt sich eine Menge Journalistenvolk vorm Bahnhof rum, und alle können sie nur sagen, daß sie nichts sagen können. Natürlich werden auch wieder die schönsten Entführungen der letzten 50 Jahre hervorgekramt. Wie aus dem Handbuch des Schmierenjournalismus. Nett wäre ja auch, wenn sie mal sagen würden, daß sie mit ihren Mikros und Kameras vor der Stadtverwaltung stehen, nicht vor der Bank! Der Zugang ist nämlich abgesperrt, aus Sicherheitsgründen. (Und wer heult am meisten? Die armen Geschäftsleute. Können einem leid tun, tz!)

Wer da wen festhält, ist noch gar nicht raus: Der Gangster muß einen veritablen Ratsch am Kappes haben: Okkupiert ausgerechnet die LZB, welche abgeschirmt ist wie Fort Knox. Was glaubt er, wie er da wieder rauskommt? An einem Stück meine ich …
Jetzt fordert er erstmal freien Abzug mit seinen Geiseln. Das läßt die Polizei jedoch nicht zu, die haben seit Gladbeck ja doch was dazugelernt. Nun will er wenigstens für sich freies Geleit – ja super! Mit was glaubt er denn da drohen zu können?! Und sowieso freies Geleit: Seit gestern sind die Aachener Straßen dicht mit Autos; wenn da einer rauswill, braucht er schon den Hubischein. Die beste Möglichkeit, die mir einfällt: Er flüchtet mit der Bahn …

Mittwoch, 22. Dezember 1999

Puh, die City of Crime atmet auf, unsere Geiselnahme ist vorbei. Die Geiseln sind frei, der Kidnapper tot. Recht so.

Hier noch ein Tip für ein – wenn's denn sein muß – Weihnachtsgeschenk auf den letzten Drücker: The Corrs »Unplugged«

Betreffs meiner Millenniumskrise kam ein Leserbrief:

»Du hast gefragt, was Du Sylvester machen sollst? Schließ Dich doch am Sylvester-Abend ein und schieb Dir nen Kaugummi ins Ohr wie Mr. Bean! Vielleicht kannst Du ja am Sylvester-Abend auch das Zusammenbrechen der Internet-Verbindungen von Japan, Australien über Indien nach Polen und dann Deutschland mit verfolgen bis dich der Roll-Over-Bug von Windows einholt und Amerika im Chaos versinkt! Hey … oder der Absolute Overkill, den ich mir vor Jahren, zu Beginn des Sat-Fernsehens gegeben habe: Alle ›Diner for One‹ auf den Dritten Programmen am 31.12. anschauen … Die sind meistens so geschachtelt, das wenn der eine Dritte gerade fertig ist meist ›DFO‹ auf einem anderen anfängt! Das lässt sich nur mit den entsprechenden Alkoholika ertragen. Ich sach nur Winterbottom.«

Ja, danke Zimbo, alles schon gemacht. Allerdings braucht man dazu keine Alkoholika, das ist dann Sinnesbetäubung genug.

Nun werde ich so bieder feiern, wie es eben geht: mit Würstchen und Kartoffelsalat und früh zu Bett. Und alle Sendungen vom »Dinner for One« werde ich mir ansehen. Alle! Hier ein kleiner Service für all die Kabelfernseher, die sich die TV-Schmierfilm nicht leisten wollen, aber auf keine Ausstrahlung verzichten können:

  • 14:25 N3 Dinner for One - up Platt

  • 17:25 Kinderkanal

  • 18:30 Hessen

  • 18:50 WDR

  • 19:00 BR

  • 19:00 mdr

  • 19:40 N3

  • 19:55 ORB

  • 20:00 VIVA Lämmermann-Version

  • 20:15 Südwest3

  • 21:00 VIVA Lämmermann-Version

  • 22:00 VIVA Lämmermann-Version

  • 23:00 VIVA Lämmermann-Version

  • 23:40 BR mit Untertiteln

  • 23:40 Südwest3

  • 00:40 Hessen

  • 01:10 N3 nachkoloriert

Wer das aushält, packt auch das nächste Jahrtausend.

Eben las ich, daß die Mega-Knaller-Riesen-Superduper-Leck-mich-am-Arsch-Du-glaubst-es-nicht-Millenniumsfeten allesamt an Teilnehmerschwund leiden: Der Trend geht zur gepflegten Feier im engen Freundeskreis. Den Leuten geht allein das Wort gehörig auf den Sack – die fette Zwei ist doch kein solch kräftiges Zugpferd. Hey, dann bin ich ja Trendsetter! Und nächstes Jahr werden wir dann The Real Millennium feiern …!
( Das erinnert mich an den einen Typ, den seine Freundin im Oktober fragte »Du Schatz, was machen wir eigentlich Silvester?« Daraufhin hat er dann Schluß gemacht …)

Das diario schließt diesmal schon heute seine Pforten, man zieht sich zu Weihnachtsfestivität in stillere Gefilde zurück. Ja, so was gibt's noch!

TL says Ciao!Noch ein paar Tips: Sind genug Ravioli eingekellert? Die kann man zur Not auch kalt essen, dann ist's sogar trendy. So, nun der Festplatte still Goodbye gesagt und mit den Onlinefreunden Analog-Adressen getauscht, ab Neujahr ist das Internet Geschichte.
Vielleicht ist es aber auch gar nicht so wild, und nix passiert. Wahrscheinlich laufen die Compis und nur der Toaster streikt.
(Schlimmstenfalls droht uns dann demnächst das Y5B-Problem: Wenn der Sonne der Sprit ausgeht.)

Ei e gude Rutsch Ihr Leut. Augen zu und durch. Doch halt, ich hab ja noch meine Millenniumsschutzbrille:

 

 

Alles Gute für Neunzehnhundertzweitausend.
See you on the other side,
troll …

 

 

weiter

Die TL Seiten
© 1999 www.Thomas-Langens.de

Ältere Ausgaben Aktuelle Ausgabe Zur aktuelle Ausgabe von TLs Tagebuch Aktuelle Ausgabe Ältere Ausgaben Homepage